Grundbegriffe der Philosophie lebender Systeme

Kurzgeschichten

A
In der Berliner U-Bahn

U-Bahn-Esser

Die nette Motzverkäferin

Damenwahl

Die spitzen Schuhe

B
Im menschlichen Körper

Die tierischen Energiespeicher

Die Post des Körpers

C
Biograhisches

Der Auftritt

Der Maikäfer

D
Zur Zivilisation

Die Bedeutung des Nuckels

 

Der Anfang des Menschen und seine Vertreibung aus dem Paradies

Der Anspruch der Philosophie lebender Systeme

In seinen Gedanken zu den Aufgaben einer neuen Wissenschaft, die die Naturwissenschaften mit den Geisteswissenschaften verbindet, hat Georg Litsche ein Programm zur Entwicklung dieser verbindenden Theorie vorgestellt. Er schlägt in Anlehnung an die Tätigkeitstheorie (Leontjev) vor, als verbindende Kategorien eine eigene Definition der Begriffe „Subjekt“ und „Tätigkeit“ vorzunehmen. Die Philosophie lebender Systeme (=PhilS) hat ebenfalls diese Aufgabe gestellt, den verschiedenen Wissenschaftszweigen der Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Wissenschaften vom Menschen, Gesellschaftswissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften einen übergeordneten Rahmen zu geben, der diese verbindet.

Allerdings verwendet sie für ihre Selbstbeschreibung nicht den Begriff "Wissenschaft", da sie mit ihrem Forschungsobjekt, dem Menschen, erstens aus ethischen Gründen keine Experimente im Sinne der Naturwissenschaften macht. Sie lehnt dies ab. Zweitens schaffen alle Experimente, die die Psychologie und die Hirnforschung mit dem Menschen durchführen, eine künstliche Situation, so dass die Ergebnisse derartiger Versuche nicht auf die menschliche Lebenswirklichkeit übertragbar sind. Heinz von Foerster (1993, 2002) hat bereits anhand naturwissenschaftlicher Experimente gezeigt, dass auch dort die Veränderung der Wirklichkeit durch den Experimentator das Versuchsergebnis in einer Richtung präformiert, die das Versuchsergebnis in Richtung Verifikation verfälscht. Das vorher Definierte wird anschießend "gefunden", der Naturwissenschaftler findet sozusagen die selbst versteckten Ostereier. Da die PhilS mit dem Menschen nicht experimentiert, sondern lediglich das menschliche Handeln in seiner Lebenswirklichkeit – damit aber auch die Reaktionen des Menschen in dieser Wirklichkeit, die vor allem eine gesellschaftliche ist – beobachtet, verändert sie nicht durch irgendeinen Versuchsaufbau die Situation, sie greift nicht ein, und gerade dadurch sind die beobachteten Reaktionen der Menschen als lebende Systeme der Ordnungshöhe Individuum ein objektiver Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorien zur Erklärung menschlichen Handelns. Sie verwendet "Falldarstellungen" in ähnlicher Weise psychoanalytische Veröffentlichungen.

Bewegung und Handlung

Hier kommen wir bereits zu einem Grundbegriff der PhilS, nämlich dem der Bewegung. Die Bewegung ist der verbindene Oberbegriff zwischen Physik und menschlichem Handeln. Bewegung wird als Oberbegriff betrachtet, als dessen Spezialform einerseits die gleichförmige Bewegung nichtlebender Systeme (also materieller Objekte) ist und andererseits das Handeln lebender Systeme. Die PhilS geht also nicht vom Begriff "Tätigkeit" aus, wie es Litsche vorschlägt, sondern vom Begriff der Bewegung.

Die gleichförmige Bewegung nichtlebender Systeme ist von der Physik in naturwissenschaftliche Gesetze gefasst worden (Newton). Grundlage ist hier das Kausalitätsprinzip: der nichtlebende Körper befindet sich unendlich lange im Zustand gleichförmiger Bewegung und ändert diese Bewegung nur, wenn von außen einwirkende Kräfte ihn dazu veranlassen (gradlinige Bewegung mit gleicher Geschwindigkeit, mathematisch darstellbar als Vektor). Diese gleichförmige Bewegung ist eine passive Bewegung. Es gibt im Bereich der Newtonschen Physik also nur äußere Kräfte, die als Ursache von Bewegungsänderungen, also Änderungen ihrer Richtung oder ihrer Geschwindigkeit, in Betracht kommen (deshalb Kausalitätsprinzip).

Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Bewegung lebender Systeme. Hier sind es innere Kräfte, die zu Bewegungsänderung führen.

Die PhilS macht folgende Aussagen:

Lebende Systeme können der Einwirkung äußerer Kräfte einen Widerstand entgegensetzen.

Lebende Systeme können sich aktiv bewegen. Sie können sich sich ohne Einwirkung äußerer Kräfte grundsätzlich in jede beliebige Richtung bewegen.

Lebende Systeme ändern ihren Bewegungszustand aktiv durch Einwirkung innerer Kräfte.

Lebende Systeme bewegen sich ungleichförmig.

Merksatz: Handlung ist die Bewegung eines lebenden Systems.

Für die naturwissenschaftliche Beschreibung dieser Art der Bewegung sind mir keine mathematischen Mittel bekannt. Es können jedoch die inneren Kräfte lebender Systeme identifiziert werden, deren Zusammenwirken das Verständnis dieser Handlungen ermöglichen. Diese inneren Kräfte hat die PhilS seit Jahren beschrieben (Zimmermann 2000, 2001, 2005, 2008). Es sind lediglich zwei Kräfte, die als

Selbsterhaltung

und

Selbstentfaltung

bezeichnet werden.

Die Wirkungen dieser Kräfte können an den Handlungen lebender Systeme beobachtet werden. Wie im Bereich der Physik auch, können Kräfte selbst nicht beobachtet werden, sie können nur anhand der Veränderungen, die sie bewirken, erschlossen werden.

Im Bereich des Handelns lebender Systeme können jedoch zusätzlich Ziele (causae finales) angegeben werden, die mit Hilfe dieser Handlungen erreicht werden sollen.

Bewegung ist im Bereich lebender Systeme im Unterschied zu der gleichförmigen Bewegung nichtlebender Systeme auch nicht grundsätzlich unendlich, sondern sie ist zeitbegrenzt. Dies ist je nach Kraft (Selbsterhaltung oder Selbstentfaltung) etwas unterschiedlich.

Einzelne Handlungen lebender Systeme können zeitgebrenzt sein.

An der Handlung selbst kann nicht immer eindeutig unterschieden werden, welchem Ziel sie dient. Eine Handlung kann durch beide inneren Naturkräfte lebender Systeme verursacht sein. (es kann aber auch anders sein). Im übrigen wirken jeder Handlung auch äußere Kräfte entgegen.

Ein Handlung ist also stets die Resultante aus verschiedenen inneren und äußeren Krafteinwirkungen.

Die Selbstentfaltung als Kraftwirkung beginnt mit der Zeugung des lebenden Systems der Größenordnung Individuum. Ich spreche jetzt vom Menschen. Im Prinzip kann jeder Leser dies auf andere lebende Systeme übertragen.

Watzlawick (1969) hat mit seinem Grundsatz, der Mensch könne nicht nicht handeln, etwas Wahres gesagt, denn selbst der von außen als Ruhezustand eines lebendes Systems erscheinende Zustand der Bewegungslosigkeit ist, da stets Kräfte von innen nach außen und von von außen nach innen wirken, ein aktiver Zustand.

Die Kraft namens “Selbsterhaltung”

Einzelne Handlungen (Aktionen), die der Selbsterhaltung dienen, sind stets in beide Zeitrichtungen begrenzt, sie haben Anfang und Ende, und sie haben eine Ziel. Ist dieses erreicht, endet die aktive Bewegung. Nebenbei bemerkt, kann sich ein lebendes System natürlich auch so passiv handeln, dass es sich genauso wie ein nichtlebendes System (ein totes Objekt) bewegt, beispielsweise im Koma (Zustand der Bewusstlosigkeit) oder in Meditation.

Handlungen lebender Systeme lassen sich daher sehr einfach an ihrem Ziel beschreiben.

Ziel der Handlungen, die durch die Kraft "Selbsterhaltung" bewirkt werden, ist die Aufrechterhaltung der Homöostase des lebenden Systems.

In Bezug auf das Beobachtungsobjekt der PhilS, den Menschen, sind dies die Einatmung (Sauerstoffzufuhr) und die Ausatmung (Eliminierung des Kohlendioxids), also Handlungen, die dem Transport der gasförmigen Energieträger von außen nach innen und des gasförmigen Abfalls von innen nach außen dienen, sowie alle Handlungen, die der Zufuhr flüssiger und fester Energieträger und anderer lebensnotwendiger Substanzen dienen und der Ausfuhr flüssiger und fester Materie, die der lebende Körper des lebenden Systems nicht mehr benötigt.

Dies hört sich zunächst sehr einfach an, ist auch bezüglich der Aufnahme und Abgabe gasförmiger Energieträger relativ einfach, weil diese sich in der Umwelt entsprechend den Gesetzen der Physik gleichmäßig verteilen. Die Aufnahme und Abgabe fester und flüssiger Energieträger und sonstiger lebensnotwendiger Materie führt jedoch sogleich auf die Wissenschaftsgebiete der Evolution, der Anthropologie und der Gesellschaftskunde. Während Hominiden (menschenähnliche Affen) beispielsweise zur Nahrungsaufnahme lediglich nach einer Banane am nächsten Ast greifen und diese in den Mund einführen müssen, ist dieser Vorgang beim Menschen aufgrund der Arbeitsteilung und der Egentumsverhältnisse äußerst kompliziert. Der Kulturmensch muss hierzu – bereits abgekürzt beschrieben – im Normalfall regelmäßig arbeiten gehen, um an Geld zu kommen, mit dem er in den Supermarkt geht und eine Banane erwirbt, die von einem Mitmenschen vom Baum gepflückt wurde, von anderen mit Hilfe mehrerer Transportgeräte, die erfunden und gebaut werden mussten und die Energie verbrauchen, die zunächst einmal beschafft werden musste, aus dem Urwald über Wege, Wasser und Straßen, die ebenfalls von Mitmenschen gebaut wurden, in den Supermarkt transportiert wurde und dort von wieder anderen Menschen bewacht und verkauft werden. Der einfach erscheinenden Vorgang der Nahrungszufuhr zum Zweck der Aufrechterhaltung der Zusammensetzung der körperinneren Flüssigkeit (des Blutes) ist im Lauf der Evolution und Zivilisation des Menschen immer komplizierter geworden.

Bereits dieser simple Vorgang zeigt auch die Abhängigkeit des Individuums von vielen anderen menschlichen Individuen, die über das System Erde verteit sind, sowie seine Abhängigkeit von zivilisatorischen Errungenschaften (Geld, Transportmaschinen, u.a.).

Die Kraft namens "Selbstentfaltung"

Diese innere Kraft kann zu den gleichen Handlungen führen wie die Selbsterhaltung, das sei vorweg gesagt.

Die erste beobachtbare Kraftäußerung dieser "Selbstentfaltung" besteht im Wachstum des lebenden Systems. Die erste Zelle teilt sich im Uterus usw., so dass der lebende Körperteil des Systems sich ständig vergrößert. Schließlich erreicht das System eine Größe, die es notwendig macht, den mütterlichen Uterus zu verlassen (die Geburt). Ab diesem Zeitpunkt muss das System atmen, essen, trinken, ausatmen, pinkeln und scheißen, also handeln. Es lernt nun, seine Extremitätenbewegungen zu kontrollieren und kann dann auch aktive Handlungen im Sinne der Fortbebewegung ausführen. Pflanzen führen bereits ebenfalls Wachstumsbewegungen aus. An diesen Wachstumsbewegungen zeigt sich bereits, dass die Bewegung lebende Systeme gegen Kräfte und Widerstande von außen erfolgt. Der Uterus ist für den Embryo eine Außenkraft, die Gravitation ist eine für das Höhenwachstum aller lebender Systeme gemeinsame Gegenkraft der Natur, die überwunden werden muss. Bei seinen Handlungen überwindet das lebende System auch andere Kräfte der Natur, wie Wetterkräfte (Wind) und klimatische Gegenkräfte, die Wachstum beeinträchtigen können (Kälte, Hitze, jahreszeitliche Schwankungen).

Evolutionäre Lösungen des Problems, Wachstum und Energieverbrauch zu steuern, die Bildung körperexterner Organe – das System Mensch

Lebende Systeme sind im Verlauf der Evolution zu unterschiedlicher Größe gewachsen. Die Gegenkräfte der Natur und der anderen um Energie konkurrierenden lebenden Systeme wirken jedoch selektorisch auch auf dieses individuelle Größenwachstum. Je mehr Masse ein lebendes System hat, desto mehr Arbeit muss es verrichten, um sich die zur Aufrechterhaltung der Homöostase erforderliche Energie zuzuführen. Der Energieaufwand und der Zeitaufwand, der zur Nahrungsbeschaffung erforderlich ist, steigt mit der Masse des Tiers (Energie, Masse, Zeit, Arbeit als physikalische Begriffe). Ab einer bestimmten Tiermasse würde diese Arbeit, die zur Nahrungsbeschaffung erforderlich wäre, so viel Energie verbrauchen, dass die zur Verfügung stehende Zeit nicht mehr für die Nahrungsbeschaffung ausreicht (Dinosaurier), um Homöostase und Wachstum zu garantieren. Deshalb sind dem individuellen Größenwachstum der Tiere Grenzen gesetzt. Besonders fleischfressende Tiere, die einen sehr hohen Energieaufwand betreiben müssen, um Nahrung zu jagen, haben ein ökonomisches Problem, sich ausreichend Energie zuzuführen. Und dies wirkt selektorisch. Dieses Energieproblem lebender Systeme, die durch verstärktes Handeln immer mehr Energie verbrauchen würden, führt zu verschiedenen natürlichen Lösungen.

Eine Lösung besteht darin, das Größenwachstum zu begrenzen, was den Energiebedarf senkt.

Eine andere Lösung besteht darin, in Gruppen zu jagen.

Alle diese Lösungen und auch verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten im Wasser, an Land und in der Luft hat die Natur sozusagen experimentell "ausprobiert" und die "vernünftigen" Lösungen im Lauf von Jahrmillionen positiv selektiert (negative Selektion = Tod der "unvernünftigen" Lösungen, also eine Falsifikation des Versuchs, positive Selektion = Überleben, also Verifikation). Nicht unabsichtlich habe ich hier bereits einige Begriffe eingeführt, die zeigen sollen, dass die naturwissenschaftliche Vorgehensweise des zivilisierten Menschen die gleichen Mechanismen verwendet wie die Natur (siehe Zimmerman 2008).

Eine weitere Lösung des geschilderten Problems besteht nun darin, das das lebende System der Ordnungshöhe Individuum nicht mehr seine lebenden Zellen vermehrt, sondern sich stattdessen körperexterne Organe aus Fremdmaterial baut. Bereits verschiedene Tiere verwenden selbsthergestelltes Material oder Fremdmaterial zur Verminderung ihres Energieaufwandes für die Jagd nach festen Energieträgern (anderen Tieren) oder die Selbsterhaltung sichernde Schutzmaßmahmen. Spinnen bauen Netze, Schnecken bauen Häuser, Krebse verwenden diese Häuser usw.. Hans Hass (1970) hat dies sehr ausführlich geschildert.

Der Mensch ist darin Meister.

Deshalb sagt die PhilS:

In der Herstellung von Werkzeugen und der Aneignung von Eigentum setzt sich die Selbstentfaltung nach Beendigung des körperlichen Größenwachstums fort.

Oder: In der Aneignung von Eigentum ist diese Kraft der Selbstentfaltung des Menschen bis zu seinem Lebensende sichtbar. Sie wirkt so lange das System Mensch lebt, und die körperexternen Teile des Individuums gehören zu seinem Leib. Sein Leib besteht aus einem lebenden und einem nichtlebenden Anteil, beide Anteile gehören zum System Mensch.

Das ICH

Nun noch ein paar Worte zum Vorschlag Litsches, den Begriff des "Subjekts" als Grundbegriff einer übergriefenden Wissenschaft zu verwenden, die Natur- und Geisteswissenschaft vereint.

Die PhilS schlägt hierfür den Begriff des ICH vor und knüpft damit einerseits an Fichte an, andererseits an Freud.

Das ICH versteht die PhilS als eine geistige Instanz, die über keine eigene Kraft verfügt (Freud), die jedoch verschiedene Funktionen hat. Eine Funktion ist die, Wahrnehmungen zu konstruieren. Der Mensch verfügt wie ihm ähnliche lebende Systeme nicht nur über körperinterne Rezeptoren, die dem Hirn Daten über den Zustand des Körperinneren übermitteln, sondern auch über Außenrezeptoren (sogenannte Sinnesorgane), die Daten über die Außenwelt liefern. Die aus der Außenwelt eintreffenden physikalischen Ereignisse, wie elektromagnetische Wellen ("Licht"), wellenartige Konzentrationsänderungen der umgebenden "Luft" ("Schallwellen") oder chemische Konzentrationsänderungen werden von Nervenzellen in elektrische Impulse umgewandelt, die auf chemischem Weg an Nachbarzellen übertragen und ins Hirn geleitet werden, wo die dann in optische Wahrnehmung, akustische Wahrnehmung oder in Geruchswahrnehmung (als 3 Beispiele von mehreren) umgewandelt werden. Hierbei handelt es sich um eine Umwandlung von Materiellem in etwas Geistiges, denn die Wahrnehmung als solche ist kein materielles Abbild der Außenwelt, sondern eine ins Geistige transformierte Darstellung der Außenwelt, die allerdings die Grundlage unserer Erkenntnis darstellt (Kant). "Bewusstsein" wird hierbei nicht als eine zusätzliche Qualität der Wahrnehmung hinzugedichtet, sondern der Wahrnehmung im Zustand der Wachheit ist ist Bewusstsein immanent. Diese Wahrnehmungen können auch im Hirn materiell gespeichert und wieder abgerufen werden (Erinnerung).

Die Objekte, die durch Interaktion mit der Umwelt als solche identifiziert werden, können in Kommunikation mit den Mitmenschen in einem Prozess der Einigung mittels sprachlicher Begriffe abgebildet werden. Begriffsbildung und Sprachbildung sind gesellschaftliche Vorgänge, die das Individuum zu einem Mitglied einer Sprachgemeinschaft machen. Das begriffliche Denken ist also nicht isoliert individuelles Denken, sondern gesellschaftliches Denken. Insofern ist die Marxsche Bezeichnung "gesellschaftliches Bewusstsein" gerechtfertigt. Das begriffliche Denken und Erinnern ist also eine weitere Funktion des ICH neben der Erzeugung von geistigen Wahrnehmungen aus elektrisch-chemischen Phänomenen.

Der Begriff als solcher ist, wie das ICH, etwas Geistiges. der Baum, den ich vor mir sehe, ist konkret vorhanden, aber der Begriff des Baums als Kategorie ist geistig. Geistiges hat im Gegensatz zum Materiellen keine räumliche Ausdehnung. Insofern, als das Materielle als Voraussetzung von Geistigem betrachtet wird, ist die PhilS materialistisch. Geistiges ist auch umgekehrt nur mittels Materie speicherbar. Geistiges kann ohne Materie nicht existieren.

Die Entscheidung

Da der lebende Körper sich in jedem Moment als Einheit nur in eine Richtung bewegen kann, obwohl theoretisch Handlungen in jeder Richtung und unterschiedliche Arten von Handlungen möglich sind, muss in jedem Moment aus der unendlichen Vielzahl von Bewegungsmöglichkeiten eine Handlung ausgewählt werden. Im lebenden Körper wirken unterschiedliche Antriebe (Durst, Hunger, sexueller Antrieb, Ängste usw.), auf die an anderer Stelle eingegangen wird, so dass die Notwendigkeit besteht, eine Handlungsauswahl zu treffen.

Die Entscheidungsfunktion ist eine weitere Funktion des ICH neben der Erzeugung der Wahrnehmung und der Steuerung des begrifflichen Denkens.

Da es über die Ausführung  oder Unterlassung von Handlung entscheidet, steuert es auch letztlich die Handlungen des Gesamtsystems nach außen. Die inneren Handlungen (beispielsweise Verdauung oder Steuerung der Herztätigkeit, Anpassungen des Blutkreislaufs, Produktion der Blutkörperchen und der Neubildung anderer Zellen) überlässt es der Selbstregulation des lebenden Körpers. Das ICH greift, soweit überhaupt möglich, nur in besonderen Gefahrensituationen ein, z.B. bei Infuffizienz der Selbstheilungskräfte durch Zuführung von Medikamenten.

Gefühle

Gefühle beinhalten stets Informationen über den Zustand des Körperinneren und werden bezüglich der Regulation der Homöostase von rezeptorischen Nerven registriert und übermittelt, so wie Wahrnehmungen Daten über den Außenbereich enthalten. Diese Rezeptoren reagieren auf Differenzen zwischen den gemessenen Istwerten – beispielsweise im Blut – und den inrazellulär gespeicherten Sollwerten (z.B. Glucose Istwert und –sollwert). Je nach Abweichung des Istwerts von Sollwert werden bestimmte Gefühle ausgelöst (beispielseise Durst und Hunger). Diese Gefühle sind für das Hirn Antriebe, die lediglich eine Wiederangleichung des Istwerts an den Sollwert intendieren, die jedoch keine Handlung in eine bestimmte räumliche Richtung des Systems festlegen. Die Entscheidung über die Handlung (die Maßnahme, die zur Stillung des Hungers führt) trifft das ICH. Die Energie für die Ausführung der Handlung ist ihrerseits im Effektor, im ausführenden Organ, nämlich der Muskulatur, gespeichert. Wir sehen also eine Aufgabenteilung von Antrieb (eventuell mehrere) , die gefühlsvermittelt sind, der Entscheidungsfunktion des ICH und der Ausführungsfunktion des Bewegungsapparates: koordinierende Hirnstrukturen, Nervenleitungen, Knochen- und Muskelsystem.

Hormonell vermittelte Gefühle und Gesellschaft

Die Entscheidungsfunktion (hier des ICH) bezeichnet die PhilS auch als Dominatorfunktion im Gegensatz zur Effektorfunktion des Bewegungsapparates aus Nerven, Muskeln und Knochen. Dies in Anlehnung an die Kybernetik. Es handelt sich nämlich bei den Handlungen, die der Selbaterhaltung dienen, um solche, die durch Regelkreise mit negativer Rückkopplung gesteuert werden. Das ICH entscheidet letztlich lediglich über die Wahl des Lebensmittels, das gegebenenfalls aus dem Kühlschrank geholt und gegessen wird, oder den konkreten Geschlechtspartner im Fall der Befriedigung des sexuellen Antriebs. 

Hier sind wir bei einer zweiten Antriebsart, die nicht durch eine Differenz von Istwert zum Sollwert ausgelöst wird, sondern von Wahrnehmungen äußerer Ereignisse oder Objekte, die über die Ausschüttung von Hormonen zu bestimmten Antrieben führen. Ihrer Natur nach werden diese Antriebe zwar von äußeren Ereignissen oder von Erinnerungen ausgelöst und haben daher gesellschaftlchen Charakter. Dies bedeutet, dass die Mitmenschen, die menschliche Gesellschaft, in der das Individuum lebt, hierdurch eine Möglichkeit der Steuerung des Verhaltens des Individuums erhält. Das betrifft konkret ein bestimmtes, im Individuum praktisch ständig vorhandenes hormonell vermitteltes Bedürfnis, nämlich den Wunsch nach Bestätigung, nach Lob, nach Anerkennung. Die Psychoanalyse fasst diese Antriebe als narzisstische Bedürfnisse zusammen. Sie hat es jedoch leider aus bestimmten aber hier uninteressanten Gründen versäumt, die hormonelle Grundlage dieser narzisstischen Bedürfnisse zu erforschen. Es sind inzwischen eine Reihe von Glückshormonen ermittelt worden (Endorphine, Serotonin usw.), deren Vorhandensein oder Mangel zu bestimmten Gefühlen und Wünschen führt, die das Handeln des Individuums antreiben. Die Suche des Individuums nach derartigen narzisstischen Befriedigungserlebnisse (von Glück bis Zufriedenheit usw.), gibt der Gesellschaft die Möglichkeit, die Handlungen des Individuums in die von der Gesellschaft gewünschte und benötigte Richtung zu lenken. Die moderne Gesellschaft hat auch ein spezielles Mittel entwickelt, das derartige Gefühle in besonderer Weise auslöst. Es ist das Geld. Ursprünglich als Tauschmittel zum zeitversetzten Warenaustausch entwickelt, dient es inzwischen der Vermittlung von Glücksgefühlen und anderen narzisstischen Befriedigungserlebnissen. Über die Zuwendung von Geld, das inzwischen übrigens hauptsächlich als Zahl auf einem Konto dargestellt wird, was den Banken gestattet, durch deren Verleihung neues Geld zu “erzeugen” (die Schöpfung neuer Werte durch die Ideen der Erfinder und Ingenieure, sowie der Unternehmer und Arbeiter ist der eigentliche Prozess, der zur Vermehrung von Werten führt), hat die Gesellschaft die Möglichkeit, die Handlungen der Individuen nach eigenen gesamtgesellschaftlichen Bedürfnissen zu steuern.

Der sich natürlich verhaltende Mensch würde beispielsweise täglich dann aufstehen, wenn er dazu Lust hätte. Die Gesellschaft (hier vermittelt durch den an deren Vorschriften gebundenen Arbeitgeber) überschreibt dem Individuum jedoch nur dann einmal im Monat einen Geldbetrag auf sein Konto, wenn er jeden Tag zur gleichen Zeit aufsteht und zur Arbeit geht. Bestimmte Tätigkeiten, für die hohes Maß an Fertigkeiten eingeübt werden muss (lange und intensive Ausbildung) werden höheren Monatsbeträgen belohnt als andere usw.. Ich will das hier nicht weiter ausführen, sondern führe es nur an, weil ich die Verbindung der PhilS zu anderen Wissenschaften aufzeigen will.

Ergebnis

Denn es geht in diesem Aufsatz lediglich darum, im Sinne von Litsche Grundbegriffe vorzustellen, die geignet sind, eine übergeordnete Theorie zu begründen, die hier nicht nur Naturwissenschaften und Geisteswissenschaft vereint, sondern auch die Wissenschaften vom Menschen, wie ich es nennen würde, wie Medizin, Psychologie und Gesellschaftswissenschaften, aber auch die Wirtschafts- und Finanzwissenschaften.

In Ermangelung einer besseren Bezeichnung nenne ich sie bisher die Philosophie lebender Systeme, abgekürzt PhilS.

Der zentrale Begriff, der die Begriffswelt der Naturwissenschaften mit den Wissenschaften vom Menschen verbindet, ist der Begriff der Arbeit.

Dies wird unter diesem Link genauer abgehandelt.

Hier wird die Arbeit, die die Natur leistet, genauer beschrieben.

Rudi Zimmerman, den 27.09.2009

Literatur

Fichte, J. G.: Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre. Hamburg: Meiner, 1988. ursprünglich 1794. ISBN 3-7873-0787-7

Foerster, Heinz v. (1993): KybernEthik. Merve Verlag Berlin. ISBN 3883961116

Foerster, Heinz v. (2002): Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen. Eine Selbsterschaffung in sieben Tagen. Hrsg.: Karl H. Müller; Albert Müller. Berlin. Kulturverlag Kadmos. ISBN 3931659-36-4

Hass, Hans (1970): Energon. Das verborgene Gemeinsame. Molden. ASIN B0000BRHR5

Watzlawick, Paul, et al (1969): Menschliche Kommunikation. Verlag Hans Huber Bern Stuttgart Wien. ISBN 3456306105

 

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Hier geht es zu einem Aufsatz über den Begriff der Arbeit. Auch die Natur arbeitet

Hier geht es zu einer Erläuterung der Grundbegriffe ALLES, ICH, MEIN und WIR

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Hier geht es zu meinem Blog Gesellschaftsphilosophie

Biologisch besteht die Erdbevölkerung aus Horden schwer bewaffneter Affen. Kann die Evolution des Geistes diese zu einer Menschheit einen?

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Die Datentransformation

Die Metamorphose.
auch die Schöpfung neuer zusätzlicher körperexterner Organe des Menschen ist eine Metamorphose

Hier gehts zu einem Aufsatz über das Geistige, nämlich die Information und ihre Übermittlung. Die Informationstheorie der PhilS